
ÜBER BELLENDE HUNDE UND AUFDRINGLICHE GEDANKEN
Meine Geliebte und unsere jüngste Tochter hatten irgendwann ein gemeinsames Hobby gefunden: Reiten. Da unser Sohn, der Zwillingsbruder meiner jüngsten Tochter, Hunde liebte (er hatte jedenfalls ein Hundeposter in seinem Zimmer), bekam er einen Hund. Er hat ihn selbst ausgesucht und es wurde Spiky.
Spiky war ein sehr netter Hund, ein Friese. Und was über diese Rasse gesagt wird, stimmte auch: sehr eigensinnig. Bei dem Hundetraining, das ich mit Spiky gemacht habe, mochten sie uns zusammen sehr, besonders weil ich ihn immer von der anderen Seite des Feldes abholen musste, weil er einen anderen, süßen, Hund ins Auge gefasst hatte.
Einige Monate später waren wir ratlos. Spiky bellte jeden an, auf der Straße und hinter dem Wohnzimmerfenster; und wenn er neben meinem Fahrrad mit lief, konnte er auch mal im Vorbeifahren nach arglosen Mitmenschen schnappen.
Der Chef des Hundes werden
Die Lösung wurde gefunden, durch eine Hundetrainerin, die wir zu uns eingeladen haben. Sie kam rein, blieb in der Tür stehen und sah Spiky, der wie immer anfing zu bellen, mit strengem Blick an. Aber das dauerte nicht lange, er kroch immer weiter nach hinten und hörte schließlich auf zu bellen. Diese Frau hatte einige Grundsätze, die äußerst effektiv waren. Mit diesen Grundsätzen wurde die Hundetrainerin, und später auch wir ein bisschen, der Chef des Hundes.
Gedanken beherrschen
Als ich mich in Themen wie Bewusstsein, Gedanken und Emotionen vertiefte, musste ich plötzlich wieder an die Anweisungen der Hundetrainerin denken. Der Hund bellt oft, um mich vielleicht unnötig vor etwas zu warnen. Gedanken erreichen mich den ganzen Tag über. Auch diese Gedanken scheinen mich vor weiß Gott was zu warnen. Immerzu von einem bellenden Hund gewarnt zu werden oder durch meine Gedanken darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass etwas schon passiert ist oder passieren könnte, empfinde ich als störend. Vielleicht denkst du bei einem Hund: das gehört dazu und bei dir selbst, dass du nun einmal so gestrickt bist. Aber sowohl der Hund als auch deine Gedanken könnten vielleicht etwas Führung gebrauchen.
Dienende Rolle
Unsere Fähigkeit zu denken ist dazu da, uns zu dienen. Die Hundetrainerin betrachtete den Hund auch so. Wenn Hund oder Kopf zu viel Raum bekommen und ständig Aufmerksamkeit verlangen, muss etwas geschehen. Das ist letztendlich besser für den Hund und für den Kopf. Die Hundetrainerin hatte es in ein oder zwei Stunden mit Spiky geschafft. Für den Menschen ist es viel schwieriger das Gefühl zu haben Chef zu sein über die Gedanken.
Mit unserer Denkfähigkeit haben wir ein fantastisches Werkzeug zur Verfügung. Das wissen wir auch gut zu nutzen, wenn wir vor einer konkreten Frage stehen; zum Beispiel wenn man eine Berechnung über die Ausgaben machen möchte, die für den Rest des Monats noch bevorstehen, oder um eine Urlaubsreise zu planen. Aber wir müssen feststellen, dass auch wenn wir nicht mit konkretem, zielgerichtetem Denken beschäftigt sind, unsere Gedanken ungefragt weiterströmen. Wie bei dem Hund, der ständig jeden, der vorbeikommt aanbellt , auch wenn sie keinen Brief in den Briefkasten werfen.
Ich denke
Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Denkfähigkeit gezielter einsetzen können und lernen können, die aufdringlichen Gedanken etwas in den Hintergrund zu schieben. Dann entsteht auch mehr Raum für sorgenfreies Genießen.
Ich denke, dass ich fast immer denke. Ich bin also meistens nicht der Herr über das Denken. Aber daran wird gearbeitet. In späteren Blogs werde ich beschreiben, welche Möglichkeiten ich gefunden habe, den Schalter gelegentlich auszuschalten oder die Lautstärke zu dämpfen und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe. Und dabei werde ich auch noch einmal auf die Lektionen der Hundetrainerin zurückkommen.
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