ÜBER TRUMP- UND WETTERVORHERSAGE

Als ich letzten Dienstag aufwachte rannten meine Gedanken bereits wie junge Fohlen im Frühling durch meinen Kopf, und sie machten mich unruhig. Ich dachte an Trump und daran, dass die primären Reaktionen, die ich eher schon beschrieben habe (schnell, gespalten, niemals genug, Eigenlob und Wir-gegen-sie-Denken), bei ihm sehr vorhanden sind und keinerlei Spuren jener ausgleichenden positiven Kräfte zu sehen sind, um Chaos, Krieg und Zerstörung zu verhindern- nämlich die Vernunft, der Respekt vor allem Lebendigen und die Liebe.

Unruhe

In meinem halbwachen Kopf sah ich eine Karte, so eine Karte (wie oben 1), auf der die Spitze des Nordpols über die gesamte Breite der Landkarte auseinandergezogen ist und dadurch Grönland doppelt so groß erscheinen lässt wie China. Und ich sah auf dieser Karte (anders als auf der Karte oben), dass all das dann zu „America“ gehört und dass der Name Grönland nicht mehr vorkommt, sondern dass die – auf dieser Karte – größte Insel der Welt einfach Trumpland heißt und, dass Trump mit „America first“ nicht die heutigen Vereinigten (50) Staaten von Amerika meint, sondern das große „America“ (Nord-, Süd- und Mittelamerika), das er anstrebt.

Ich wurde unruhig, aber mir wurde auch klar, dass das alles Bilder in meinem Kopf waren –  Fantasien also, keine Realität dieses Augenblicks und dass es nicht klug ist sich von Fantasien zu sehr beunruhigen zu lassen. Es war auch nicht der richtige Zeitpunkt um darüber nach zu denken. Das kann man tagsüber tun und dann schauen, ob Handlungen notwendig sind.

Kälte

Letzte Woche schaute ich ganz oft auf die langfristige Wettervorhersage, denn es gab bedrohliche Gerüchte über eine enorme Kältewelle, die uns möglicherweise den ganzen Februar über sehr strengen Frost bringen würde. Und, so fantasierte ich weiter, das könnte durchaus zu Stromausfällen und einfrierenden Wasserleitungen im Haus führen. Mir ist ohnehin schon so kalt: Selbst bei 19 Grad auf dem Thermostat habe ich eine Mütze auf und zwei Paar Socken an den Füßen (denn direkt über dem Boden ist es bestimmt ein paar Grad kälter).

Meine Liebste bemerkte, wie oft ich auf diese Vorhersagen schaute, und fragte mich, ob ich nicht ein bisschen neurotisch reagierte. Ich erwiederte dass ich ganz einfach Angst vor Kälte habe. Auf die Frage, was ich denn bräuchte, um dieses unruhige Gefühl loszuwerden, sagte ich sofort: Wir müssen genug Holz für eine Woche heizen holen. Das haben wir dann auch getan – als eine Art Notvorrat. Das gab mir die nötige Ruhe, die ich in Bezug auf das Wetter jetzt auch habe. Ausserdem, sagen die Wettervorhersager inzwischen, das diese Kälte aus Russland zum Balkan zieht und wahrscheinlich nicht mehr zu uns kommt.

Spekulieren

Zurück zu den Trump-Gedanken: Morgens im Bett ist nicht der günstigste Zeitpunkt, wenn man noch ein wenig dösen möchte. Ich sagte mir: Was wir von Trump gesehen haben, ist alles Vergangenheit, nichts ist dauerhaft, und bei Trump schon gar nicht – und somit ist es nicht die Realität von jetzt. Und darüber, was er tun wird, können wir spekulieren und gemeinsam Szenarien entwerfen und uns Sorgen machen, aber auch das ist keine Realität, sondern ausschließlich etwas, das sich in unseren Köpfen abspielt. Wir können uns abfragen ob wir konkret etwas tun können,  um uns auf etwas vorzubereiten und  dann sollten wir das tun.

Die Realität

Mir war klar, dass wenn ich noch schlafen will, ich mich der einzigen Realität zuwenden muss , die es gibt, und das ist der Moment im Hier und Jetzt. Und als Mittel, um dorthin zu gelangen, haben wir die Möglichkeit, unsere Aufmerksamkeit auf unseren eigenen Körper zu richten, wobei es sehr hilfreich ist, nichts weiter zu tun, als dem Atem zu folgen. Neulich machte mein Schwiegersohn den Vorschlag, um dabei durch die Nase einzuatmen und durch den Mund auszuatmen, und dich dabei  zu konzentrieren den Luftstrom an der Spitze der Lippen zu spüren.  Für mich funktioniert es auch sehr gut, die Aufmerksamkeit auf andere körperliche Empfindungen zu richten. Und heute Morgen konnte ich dadurch wieder einschlafen.

Aber mir wurde auch klar, dass auch diese Signale, die der eigene Körper hervorbringt, bereits einen Weg zurückgelegt haben, bevor sie unser Bewusstsein erreichen, und somit aus der Vergangenheit stammen. Es ist nicht leicht, diesen Moment des „Jetzt“ zu fassen. Vielleicht komme ich darauf noch einmal zurück. 

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  1. Bild: Pinnwand mit Weltkarte und silberfarbenem Holzrahmen bei https://www.school-max.com

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